Tafel 3
03. De honesta voluptate et valetudine
Während seines Aufenthaltes in Rom traf Maestro Martino Bartholomeo Sacchi, auch als “il Platinà” bekannt, ein Spitzname, der sich von seinem Heimatort ableitet, d.h. Piadena, dem heutigen Cremona. Als grosser Humanist der Renaissance unter dem Pontifikat von Paolo II wurde Sacchi 1478 vom neuen Papst Sisto IV zum ersten Direktor der vatikanischen Bibliothek ernannt. Man kann ihn als den ersten italienischen Gastronom bezeichnen.
Durch diese Freundschaft und dem gegenseitigen Ideenaustausch entstand das Buch „De honesta voluptate et valetudine“ von 1468, unterzeichnet von Platinà, das sich mit der Ausarbeitung eines Textes über Diätetik, Lebensmittelgeschichte und -kultur beschäftigt. Der Autor übersetzte die Rezepte des Manuskripts von Maestro Martino, die in vulgärem Latein geschrieben waren, ins klassische Latein. Dieses Treffen hat die Geschichte der modernen italienischen Küche grundlegend verändert.
Der Autor beschrieb den Koch aus dem Bleniotal folgendermassen: „Welcher Koch, oh sterbliche Götter, kann mit meinem Martino aus Como verglichen werden, von dem ich die Mehrheit der Dinge gelernt habe, die ich hier niederschreibe?“ 240 Rezepte der 250 Vorschläge stammen aus der Feder von Maestro Martino.
Dieses Buch wird als erste mit beweglichen Lettern gedruckte Rezeptsammlung in der Geschichte der italienischen Küche angesehen. Die Historiker, die sich mit Gastronomie beschäftigen, beschreiben es als einen der Eckpfeiler der europäischen gastronomischen Literatur. Es ist ein wertvoller Zeuge, der den Übergang der Küche des späten Mittelalters zur Küche der Renaissance illustriert; das Verbindungsglied zwischen beiden Küchen. Nicht ein einfaches Handbuch, nicht eine Zusammenfassung, sondern eine organisierte Beschreibung der Kochkunst, der Diätetik, der Lebensmittelhygiene und der Ethik. Eine echte Synthese dessen, wie man gesund und ausgewogen lebt, die das Wissen des Fachmannes (Maestro Martino) mit den Gedanken des Literaten (il Platinà) verbindet.
Ein Buch, das den Freuden der Tafel gewidmet ist, eine echte Neuheit für diese Periode der Geschichte.
Das Buch „De honesta voluptate et valetudine“ (Das keusche Vergnügen und die Gesundheit) verbreitete sich in ganz Europa und wurde schnell zum Bezugspunkt für alle Köche der Renaissance. Aktualisiert in zahlreichen Auflagen, übersetzt in die meisten europäischen Sprachen, veröffentlicht in verschiedenen Ausgaben und zahlreichen Plagiaten, wurde es das ganze 15. Jahrhundert hindurch verwendet.
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