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09. Köche aus dem Bleniotal in den herzoglichen Küchen von Mailand

Die wenigen historischen Aufzeichnungen, die es gibt, lassen darauf schließen, dass die Beziehungen zwischen den „Tre Valli“ und Mailand schon in der Antike bestanden haben müssen. Eine kleine Anzahl von Personen aus dem Blenio- und dem Leventinatal hat es bereits um 1300 und 1400 in die Hauptstadt der Lombardei gezogen. Die grosse und wohlhabende Stadt bat ihnen viele Möglichkeiten feste Arbeit oder mindestens eine gelegentliche Beschäftigung zu finden. Ab Mitte des 14. Jahrhunderts hat wahrscheinlich die Anwesenheit von zivilen und militärischen Beamten in den Verwaltungszentren der voralpinen Region, die im Dienste der Herren von Mailand standen, vielen Personen, die aus den nördlichen Tälern kamen, die Türen geöffnet.

Im Zusammenhang mit der Abwanderung aus dem Bleniotal im 15. Jahrhundert ist die Anwesenheit von Köchen in den herzoglichen Küchen bemerkenswert. Aus welchem Grund die Menschen aus dem Bleniotal diesen Beruf gewählt haben, ist heute nicht nachvollziehbar. Diese Tätigkeit in den herzoglichen Küchen und im Dienste der Gastronomie erforderte unbestrittene Fähigkeiten und Kenntnisse. So entstand ein grosses und vielfältiges Team bestehend aus Kellnern, Anrichtern, Küchenchefs, Mundschenken und Köchen. Die erste Person aus dem Bleniotal, die sich an den Kochtöpfen der herzoglichen Küche zu schaffen machte, öffnete den Weg für andere Landsleute, die, angezogen von der Möglichkeit Geld zu verdienen auch gerne ihre kulinarischen Kenntnisse und Fähigkeiten einsetzen wollten.

Der Reichtum und das Prestige, das die Auswanderer erreichten, legten den Grundstein für diejenigen, die später folgen sollten, sobald sich die Nachricht in den Dörfern des Tals herumgesprochen hatte. Innerhalb weniger Jahre verbreitete sich der Ruf der Köche aus dem Bleniotal und einige wurden Köche der Herzogin und anderer Mitglieder der Familie Sforza. Die Notwendigkeit die Familien in ihrem Heimatort zu unterstützen und Geld zurückzulegen, gab den ausgewanderten Köchen aus dem Bleniotal die Möglichkeit zurückzukehren. So konnten sie ihren Dorfbewohnern zeigen, wie gut es ihnen im fernen Mailand ging, indem sie einen kostbaren Kelch für die Dorfkirche stifteten oder eine beträchtliche Geldsumme zur Unterstützung eines sakralen Gebäudes hinterliessen.

Hier einige Namen von herzoglichen Köchen aus dem Bleniotal:

  • Magistro Martino oder Rubeus de Blegnio, bekannt unter dem Namen Maestro Martino.
  • Jacobus de Anardonis oder Giacomo de Blegni oder Giacomo da Schona: Magistro Jacomo da Beligno era cocho dela Ill.ma Madona nostra Matre.
  • Pietro da Dongio, Koch der Herzogin Bona Sforza im Jahre 1472.
  • Pietro de Donsio und Valentino de Clericis, vielleicht als Koch aus dem Leventinatal identifiziert, erhielten von Gian Galeazzo Sforza die Stadtbürgerschaft von Mailand.

Weitere im Bollettino storico della Svizzera italiana gefundene Namen:

Petro da Scona oder Pietro de Blegni, Giovanni di Scona, Giovanni da Marogno, Guglielmo da Dongio, Jacobus de Purzaschis (Prugiasco), Pietro de Giralda, Petro de Realda de Blegnio, Petro de Gereda de Blegnio, Boninus de Bregnio, Laurentius de Pongia.

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