Tafel 6
06. Die Gewürze
Im Mittelalter wurde der Gewürzhandel von den Kaufleuten, die von dem günstigen Verhältnis zwischen wirtschaftlichem Wert und Warenmenge angezogen wurden, stark gefördert. Die Gewürze waren sehr teuer, die Produktionsstätten lagen weit entfernt und erhöhten dadurch die Transportkosten. Viele Händler kamen mit dem Verkauf von Gewürzen zu grossem Reichtum.
Die meistverwendeten Gewürze zu dieser Zeit in der Küche waren: Pfeffer, Safran, Ingwer, Zimt Muskatnuss, Koriander, Nelke und Kardamom. In verschiedenen Dokumenten spricht man auch von Muskatblüte, Galanga, „meleguetta“ und „spigonardo“, hier handelt es sich aber um Gewürze, die seltener verwendet wurden.
Ihre Ausbreitung vom Orient in den Westen war wahrscheinlich auf das neue medizinische Wissen zurückzuführen; das erste Mal wurden Gewürze in den damaligen Apotheken und zur Heilung von Kranken verwendet. Die damalige Ernährungskultur räumte Gewürzen eine sehr positive Rolle bei der Verdauung ein. Dieses mentale Umdenken erleichterte den Übergang von der Apotheke in die Küche.
Die Verwendung von Gewürzen in Verbindung mit Lebensmitteln wurde mit der Vorstellung von Exotik verbunden. Damals stellte man sich vor, dass die Gewürze von dem duftenden Ort schlechthin stammen: dem Paradies auf Erden. Sie hatten daher doppelten Wert, sowohl medizinisch wie auch kulinarisch. Aufgrund ihrer hohen Kosten waren Gewürze für die oberen Gesellschaftsschichten ein wichtiges Prestigeobjekt. In der Gastronomie waren sie eine echte Demonstration von sozialem Prestige und Reichtum. Die Zurschaustellung des eigenen Reichtums war ein sichtliches Zeichen der eigenen Macht. Es ist vollkommen falsch zu denken, dass die Gewürze verwendet wurden um den schlechten Geschmack des Fleisches zu überdecken, der auf unsachgemässe Konservierung zurückzuführen ist. Wer es sich leisten konnte Gewürze zu kaufen, hätte nie schlecht gewordenes Fleisch gegessen; vor allem, weil die Gewürze den schrecklichen Geschmack verdorbenen Fleisches nicht überdecken konnten.
Die Reise auf der Suche nach Gewürzen war einer der Hauptgründe für die Entdeckung Amerikas. Als sich der Markt jedoch änderte und es möglich wurde Gewürze billiger zu beschaffen, verloren sie viel von ihrer Attraktivität und kamen schliesslich vollkommen aus der Mode.